Grabenlos-News von Annika Bach
Marode Trinkwasserleitungen: Grabenlose Technologien können Kommunen entlasten
Alte Leitungen, Wasserrohrbrüche und hohe Sanierungskosten: Viele Kommunen stehen bei der Erneuerung ihrer Trinkwassernetze vor großen Herausforderungen. Der BGT weist darauf hin, dass grabenlose Technologien helfen können, Kosten zu senken, Bauzeiten zu verkürzen und Belastungen für die Bevölkerung zu reduzieren.
Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt der NDR-Beitrag über die maroden Trinkwassernetze in Schleswig-Holstein. Viele Trinkwasserleitungen stammen aus den 1950er und 1960er Jahren und erreichen zunehmend das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer. Immer wieder kommt es zu Wasserrohrbrüchen, Straßensperrungen und kurzzeitigen Unterbrechungen der Wasserversorgung. Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) besteht deutschlandweit ein hoher Bedarf an Ersatzinvestitionen in das rund 530.000 km lange Trinkwasserleitungsnetz. Der DVGW warnt davor, notwendige Investitionen aufzuschieben, da dies den Sanierungsbedarf und die Kosten für künftige Generationen erhöht. Gleichzeitig fehlen vielerorts Geld und Fachpersonal, um die notwendigen Arbeiten zu planen und umzusetzen.
„Die Menschen erwarten zu Recht eine zuverlässige Trinkwasserversorgung. Dafür müssen wir unsere Leitungsnetze in den Fokus nehmen und diese rechtzeitig sanieren, bevor es zu einem Totalausfall kommt. Entscheidend ist zudem, wie wir das machen. Wir können es uns nicht leisten, technische Möglichkeiten zur Kosten- und Zeitersparnis ungenutzt zu lassen“, erklärt Dr. Susanne Leddig-Bahls, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands grabenlose Technologien (BGT).
Weniger Baustellen, geringere Kosten
Grabenlose Technologien bieten eine Alternative zur klassischen offenen Bauweise. Bestehende Trinkwasserleitungen können je nach Zustand und technischen Voraussetzungen von innen saniert oder durch neue Leitungen ersetzt werden, ohne dafür über die gesamte Strecke Straßen, Gehwege oder Grundstücke aufzugraben. Für Kommunen bedeutet das potenziell geringere Kosten und kürzere Bauzeiten. Für die Bevölkerung sind es weniger Straßensperrungen, Lärm und Einschränkungen im Alltag.
„Grabenlose Verfahren sind kein Allheilmittel, aber sie gehören bei jeder Sanierungsplanung mit auf den Prüfstand. Wir müssen die Bauweise wählen, die technisch geeignet, wirtschaftlich sinnvoll, nachhaltig und effektiv ist. Gerade bei knappen kommunalen Haushalten kann das einen erheblichen Unterschied machen. Mit den verfügbaren Mitteln lassen sich so möglicherweise mehr Leitungen sanieren“, so Leddig-Bahls.
Neue EU-Vorgaben für Trinkwasserkontaktmaterialien
Ab dem 31. Dezember 2026 gelten neue europäische Anforderungen an Materialien und Produkte, die mit Trinkwasser in Kontakt kommen. Ziel sind europaweit einheitliche Standards zum Schutz der Trinkwasserqualität. Für Hersteller, Sanierungs- bzw. Einbauunternehmen und Wasserversorger bedeutet dies jedoch einen erheblichen Umstellungs- und Zertifizierungsaufwand.
Für den BGT ist entscheidend, dass bewährte und sichere Produkte und Sanierungsverfahren auch unter den neuen Regelungen eingesetzt werden können. Gerade angesichts des hohen Sanierungsbedarfs braucht die Branche klare und verlässliche Rahmenbedingungen.
Sanierung beschleunigen, Infrastruktur erhalten
Der BGT setzt sich dafür ein, dass grabenlose Technologien bereits in der Planung systematisch berücksichtigt und die neuen europäischen Anforderungen so umgesetzt werden, dass sichere und technisch geeignete Sanierungsverfahren weiterhin zur Verfügung stehen.
„Wir verfügen über technische Lösungen, mit denen wir unsere Leitungsinfrastruktur effizienter erhalten und erneuern können. Dieses Potenzial sollten wir nutzen, damit die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft zuverlässig und bezahlbar bleibt“, so Leddig-Bahls.
Foto: Diringer & Scheidel/Bernd Pritzkuleit