Grabenlos-News von Annika Bach

Kanalsanierungsoffensive 2026: Vom Klassenzimmer in die Praxis

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Kanalsanierungsoffensive 2026: Gruppenbild

104 Auszubildende, aktuelle Sanierungsverfahren und jede Menge Technik zum Anfassen: Bei der Kanalsanierungsoffensive am Hans-Schwier-Berufskolleg in Gelsenkirchen drehte sich zwei Tage lang alles um die praktische Seite der Kanalsanierung. Erstmals führte die Offensive die Auszubildenden auch auf eine reale Baustelle.

Wie funktioniert Kanalsanierung in der Praxis? Welche Verfahren gibt es und wie werden sie auf der Baustelle tatsächlich eingesetzt? Im September konnten 104 angehende Umwelttechnologinnen und Umwelttechnologen für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen genau das erleben. Das Konzept der Kanalsanierungsoffensive ist bewusst praxisnah: BGT-Mitgliedsunternehmen vermitteln zunächst in kurzen Fachvorträgen die Grundlagen und zeigen anschließend, wie Verfahren, Maschinen und Materialien funktionieren.

Kanalsanierungsoffensive 2026 (Radio Emscher Lippe)

Video: Radio Emscher Lippe für das Video. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Auf dem Schulgelände blieb es nicht bei der Theorie: Die Auszubildenden konnten unterschiedliche Sanierungs- und Reparaturverfahren aus nächster Nähe erleben, Fragen stellen und mit den Fachleuten ins Gespräch kommen. Besonders beeindruckend war die Harzvorführung von MC-Bauchemie. Sanierungstechnik Dommel demonstrierte den Einzelrohreinbau. Auch unterschiedliche Reparaturverfahren wurden praktisch gezeigt. Umwelttechnik Franz Janßen stellte die Reparatur durch Injektion vor, Bodenbender zeigte vor Ort härtende Bauteile, Pipetronics Spachtel- und Verpressverfahren und die UHRIG Group die Reparatur mittels Innenmanschetten.

Mehr Kanalsanierung in der Ausbildung
Seit August 2024 gibt es den neu geordneten Ausbildungsberuf Umwelttechnologe beziehungsweise Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. Er löst den bisherigen Ausbildungsberuf Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ab. Gleichzeitig wurden die Ausbildungsrahmenpläne modernisiert. Hier setzt die Kanalsanierungsoffensive an. Sie bringt unterschiedliche Unternehmen und Verfahren an einem Ort zusammen und ergänzt das Wissen aus dem Unterricht um aktuelle Erfahrungen aus der Praxis.

„Im Unterricht lernen die Auszubildenden die Grundlagen. Mit der Kanalsanierungsoffensive bringen unsere Mitgliedsunternehmen den aktuellen Stand der Praxis direkt in die Schule“, sagt Annika Bach, Geschäftsführerin des BGT. „Die Auszubildenden können die Verfahren nicht nur kennenlernen, sondern Maschinen und Materialien sehen, anfassen und sich direkt mit den Fachleuten austauschen, die täglich damit arbeiten.“

Erstmals vom Schulhof auf die Baustelle
2026 ging die Kanalsanierungsoffensive noch einen Schritt weiter. Am ersten Veranstaltungstag stiegen die Auszubildenden in den Bus und fuhren nach Dorsten. Dort konnten sie erleben, wie grabenlose Kanalsanierung unter realen Baustellenbedingungen funktioniert. Die Mitarbeiter der Aarsleff Rohrsanierung GmbH zeigten Schlauchlining auf der Baustelle. Oberbauleiter Bastian Becker erklärte das Verfahren und beantwortete die Fragen der Auszubildenden. Bluelight demonstrierte das Schlauchlining eines Hausanschlusses mit einem lichtgehärteten System.

Was dabei hängen bleibt, zeigen die Stimmen der Auszubildenden. Eine Teilnehmerin war besonders vom Berstverfahren überrascht: „Mich hat überrascht, dass es Verfahren gibt, bei denen das alte Rohr aufgebrochen und gleichzeitig sogar ein größeres Rohr eingezogen werden kann. Rohre können also grabenlos erneuert werden.“ Ein anderer Auszubildender hob den Praxisbezug hervor: „Ich fand es gut, die Verfahren auch mal in echt zu sehen, statt nur darüber zu reden. Es war interessant zu sehen, wie schnell ein Harz aushärtet.“

Praxiswissen für die Fachkräfte von morgen
Die Kanalsanierungsoffensive entstand auf Initiative eines BGT-Mitgliedsunternehmens. Seit dem Testlauf 2023 bringt der BGT dafür Berufsschule und Mitgliedsunternehmen zusammen und koordiniert den Austausch zwischen Ausbildung und Praxis. Denn die angehenden Umwelttechnologinnen und Umwelttechnologen werden künftig an einer Infrastruktur arbeiten, die für unseren Alltag unverzichtbar ist, von der Öffentlichkeit aber meist kaum wahrgenommen wird. Umso wichtiger ist es, ihnen bereits während der Ausbildung zu zeigen, welche technischen Möglichkeiten für den Erhalt dieser Infrastruktur zur Verfügung stehen.

Wir danken dem Hans-Schwier-Berufskolleg, allen beteiligten Unternehmen und vor allem den Fachleuten, die ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weitergegeben haben.

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