Grabenlos-News von Annika Bach

Erdkabel oder Freileitung? Initiative zeigt neue Perspektiven für den Netzausbau

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Trasse_TRACTO/Niklas Thiemann

Beim Ausbau der Stromnetze steht eine grundlegende Weichenstellung an: Soll für neue Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen weiterhin der Erdkabelvorrang gelten? Der BGT begrüßt die Initiative Energietrassenbau und spricht sich dafür aus, den Erdkabelvorrang beizubehalten. Bei der Wahl der konkreten Bauverfahren plädiert der Verband zugleich für eine differenzierte Betrachtung.

Mit dem Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes soll der bisher gesetzlich verankerte Erdkabelvorrang für künftig erstmals in den Bundesbedarfsplan aufgenommene HGÜ-Verbindungen aufgehoben werden. Die unabhängige Initiative Energietrassenbau unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Alexander Lange von der Hochschule Karlsruhe hat dazu das Positionspapier „Infrastruktur intelligent unter die Erde“ vorgelegt. Es spricht sich gegen einen grundsätzlichen Wechsel zurück zur Freileitung aus und stellt die Frage, wie sich der Erdkabelbau wirtschaftlicher und schneller umsetzen lässt.

Mehr als Investitionskosten betrachten
Am Beispiel des rund 730 Kilometer langen SuedWestLink DC42/DC42plus vergleicht die Initiative Erdkabel und Freileitung anhand mehrerer Kriterien. Neben den Investitionskosten werden unter anderem Auswirkungen auf Landschaftsbild und Grundstückswerte, Sicherheit und Resilienz sowie Bauzeiten und verfügbare Marktkapazitäten einbezogen. 

Die Initiative kommt in ihrer Szenariobetrachtung zu dem Ergebnis, dass sich der zunächst deutliche Kostenvorteil einer Freileitung verringert, wenn diese zusätzlichen Faktoren berücksichtigt werden. In dem betrachteten Referenzszenario liegen die angesetzten Gesamtkosten eines um 20 Prozent optimierten Erdkabelbaus sogar unter denen der Freileitungsvariante. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Szenariorechnung und nicht um eine testierte Vollkostenrechnung. Auch das angenommene Kostensenkungspotenzial beim Erdkabelbau von 20 bis 30 Prozent bezeichnet die Initiative als noch zu belegende Arbeitshypothese.

BGT: Erdkabelvorrang beibehalten
Der BGT unterstützt die grundsätzliche Forderung der Initiative, den Erdkabelvorrang für neue HGÜ-Verbindungen beizubehalten. Aus Sicht des Verbands sollte die Entscheidung über die künftige Netzinfrastruktur nicht allein anhand der unmittelbaren Investitionskosten getroffen werden. Auch langfristige Auswirkungen, Resilienz, Akzeptanz und die Möglichkeiten einer effizienten Umsetzung müssen berücksichtigt werden.

Differenzierter bewertet der BGT die Vorschläge zur konkreten Verlegung der Erdkabel. Das Positionspapier sieht ein wesentliches Potenzial zur Kostenreduzierung und Beschleunigung darin, Fräs- und Pflugverfahren stärker einzusetzen und Horizontalbohrverfahren, insbesondere HDD, auf die Abschnitte zu konzentrieren, auf denen sie tatsächlich erforderlich sind. Die Initiative formuliert dazu den Grundsatz, HDD nur dort einzusetzen, „wo nötig, nicht dort, wo möglich“. 

Aus Sicht des BGT greift eine pauschale Reduzierung grabenloser Abschnitte jedoch zu kurz. „Bei der konkreten Umsetzung müssen wir die Bauverfahren differenziert betrachten. Grabenlose Verfahren wie HDD und Microtunnelling spielen dabei eine wichtige Rolle und können je nach Rahmenbedingungen die wirtschaftlich, ökologisch und technisch geeignete Bauweise sein“, sagt Dr. Marc Peters, Vorstandsmitglied des BGT. 

Gerade bei der Querung von Gewässern, Verkehrswegen oder anderen sensiblen Bereichen ermöglichen grabenlose Verfahren die Verlegung mit geringeren Eingriffen an der Oberfläche. Für Peters sollte deshalb nicht die möglichst weitgehende Reduzierung einzelner Verfahren das Ziel sein: „Entscheidend ist, für jeden Streckenabschnitt die geeignete Bauweise zu wählen und die Verfahren dort einzusetzen, wo sie ihre jeweiligen Stärken ausspielen.“

Die Initiative Energietrassenbau setzt damit einen wichtigen Impuls für die weitere Debatte: Statt den Erdkabelvorrang grundsätzlich infrage zu stellen, sollte der Blick stärker darauf gerichtet werden, wie der Erdkabelbau effizienter, schneller und mit den jeweils geeigneten Verfahren umgesetzt werden kann.

Foto: TRACTO/Niklas Thiemann

Porträt Marc Peters Herrenknecht
Marc Peters, BGT-Vorstandsmitglied

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