Grabenlos-News von Annika Bach
BGT-FachTalk „KI in der Kanalinspektion“: Die KI unterstützt und der Mensch entscheidet
Kann Künstliche Intelligenz die Kanalinspektion objektiver, schneller und effizienter machen und wo bleibt die fachliche Verantwortung des Menschen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des BGT-FachTalks „KI in der Kanalinspektion“. Rund 50 Fachleute aus Netzbetrieb, Ingenieurbüros, Dienstleistungsunternehmen, Industrie und Verbänden diskutierten mit den Referierenden über den aktuellen Stand der Technik, konkrete Praxisanwendungen und die Auswirkungen auf die tägliche Arbeit. Deutlich wurde: KI eröffnet neue Möglichkeiten entlang des gesamten Inspektionsprozesses, die Verantwortung für die fachliche Bewertung bleibt jedoch beim Menschen.
Objektivere Auswertung durch KI
Stephanie Kirstgen (Pallon) zeigte anhand von Praxisbeispielen, wie Künstliche Intelligenz die Zustandskodierung von Kanal- und Schachtinspektionen unterstützen kann. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass identische Inspektionen von unterschiedlichen Fachkräften unterschiedlich bewertet werden können. Ziel des KI-Einsatzes sei daher eine objektivere und konsistentere Auswertung. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Technologie klare Grenzen hat: „Einzelfallbetrachtungen sind ingenieurtechnische Bewertungen und dürfen deshalb nicht von der KI durchgeführt werden.“ Solche Fälle würden automatisch gekennzeichnet und anschließend von Fachpersonal geprüft. Darüber hinaus stellte sie Entwicklungen vor, die von der automatisierten Schadensklassifizierung bis hin zu ersten KI-gestützten Sanierungskonzepten mit Grobkostenschätzungen reichen.
Von der Datenauswertung zur Zustandsprognose
Arno Jugel (IBAK) erläuterte den Einsatz von KI entlang des gesamten Inspektionsprozesses – von der Unterstützung bei der Auswertung von Panorama- und Dreh-Schwenkkopf-Aufnahmen bis zur Analyse historischer Zustandsdaten. Grundlage seien speziell trainierte Modelle, die auf das Fachwissen der Kanalinspektion ausgerichtet sind. Anhand eines Forschungsprojekts zeigte er, wie umfangreiche historische Inspektionsdaten genutzt werden können, um Prognosemodelle für die Entwicklung von Kanalnetzen zu erstellen und langfristige Investitionen besser planbar zu machen.
Erfahrungen aus der Praxis
Rene Valenta (Umwelttechnik Franz Janßen) berichtete über den Einsatz KI-gestützter Verfahren in laufenden Projekten. Panorama-Systeme hätten die Tagesleistung bei der Inspektion erhöht und gleichzeitig Fachkräfte entlastet. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Plausibilitätsprüfungen und die fachliche Kontrolle weiterhin notwendig bleiben. Sein Fazit lautete: „KI soll den Menschen unterstützen und Stand jetzt nicht ersetzen.“
KI als Unterstützung und nicht als Ersatz
Im Anschluss entwickelte sich eine intensive Diskussion über die Rolle von KI in der Kanalinspektion. Im Mittelpunkt standen Einzelfallentscheidungen nach den geltenden Regelwerken, die Transparenz gegenüber Auftraggebern sowie die Qualität automatisierter Zustandsbewertungen.
Eine Teilnehmerin fasste die Sicht vieler Diskussionsbeiträge zusammen: „Es bedarf immer noch eines Ingenieurs, der da drüber guckt.“ KI könne die Bewertung unterstützen und Entscheidungen vorbereiten, die abschließende fachliche Verantwortung bleibe jedoch beim Menschen.
Ein Teilnehmer richtete den Blick auf die strategische Nutzung der Technologie: „Ziel ist es, im Überblick Zustandsdaten zu bekommen und dann mache ich Einzelfallentscheidungen.“ KI könne dazu beitragen, den Zustand eines Kanalnetzes schneller und systematischer zu erfassen sowie Prioritäten für vertiefende Bewertungen und Sanierungsmaßnahmen zu setzen.
Neben technischen Fragestellungen wurden auch die Auswirkungen auf Arbeitsabläufe, Fachkräfte und zukünftige Regelwerke diskutiert. Dabei bestand Einigkeit, dass die Entwicklung von KI-Anwendungen eng mit den Anforderungen der Praxis und den geltenden technischen Regelwerken abgestimmt werden muss.
KI unterstützt, die Verantwortung bleibt beim Menschen
Der BGT-FachTalk zeigte, wie KI in der Kanalinspektion bereits heute eingesetzt wird. Sie kann Inspektionsdaten objektiver auswerten, große Datenmengen effizient verarbeiten und Fachkräfte bei Routineaufgaben entlasten. Gleichzeitig zeigte die Diskussion, dass ihr Nutzen nicht allein von der Leistungsfähigkeit der Algorithmen abhängt. Entscheidend sind transparente Verfahren, qualitativ hochwertige Ausgangsdaten und die fachliche Einordnung der Ergebnisse. Der Mensch bleibt damit auch künftig die zentrale Instanz bei der Bewertung von Schäden und der Ableitung von Sanierungsmaßnahmen.