Grabenlos-News von Annika Bach

BGT-FachTalk: Neue EU-Trinkwasser-Richtlinie sorgt für Diskussionsbedarf in der Branche

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EU-Trinkwasserrichtlinie

Die Einführung neuer europäischer Hygieneanforderungen für Materialien und Produkte im Kontakt mit Trinkwasser beschäftigt die Branche. Welche Auswirkungen die ab Ende 2026 geltenden Regelungen auf Hersteller, Netzbetreiber und ausführende Unternehmen haben werden, stand im Mittelpunkt eines FachTalks des Bundesverbands grabenlose Technologien (BGT) Anfang Juni. Mehr als 25 Teilnehmende nutzten die Veranstaltung, um sich über den aktuellen Stand zu informieren und offene Fragen zu diskutieren.

Europaweite Harmonisierung trifft auf praktische Herausforderungen
Referentin war die BGT-Vorstandsvorsitzende Dr. Susanne Leddig-Bahls, die die Entwicklung der europäischen Regelungen seit Jahren begleitet. Sie machte deutlich, dass die Branche das Ziel einer europaweiten Harmonisierung grundsätzlich unterstützt. „Die Idee hinter den europäischen Hygieneanforderungen ist richtig. Niemand möchte für jedes Land eigene Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Umsetzung auch in der Praxis funktioniert.“

Positivlisten und Vor-Ort-Produkte im Fokus der Diskussion
Es wurde deutlich, dass die praktische Umsetzung der neuen Regelungen an mehreren Stellen noch Fragen aufwirft. Besonders intensiv diskutiert wurden die europäischen Positivlisten, auf denen zulässige Rohstoffe und Ausgangsstoffe geführt werden. Mehrere Teilnehmer kritisierten die langen Verfahren zur Aufnahme neuer Materialien. „Wenn ich heute einen neuen Stoff auf die Positivliste bringen möchte, dauert das im besten Fall mehrere Jahre. Das hemmt Innovationen und trifft insbesondere mittelständische Unternehmen“, gab ein Teilnehmer zu bedenken.

Auch die Frage, wie künftig mit baustellenseitig hergestellten Produkten wie Beschichtungen, Mörtelauskleidungen oder Schlauchlinern umgegangen werden soll, sorgte für Gesprächsbedarf. Nach aktuellem Stand bestehen hier weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der Zertifizierungsanforderungen. So würden nach aktueller Auslegung unmittelbar ab dem 31.12.2026 EU-Zertifikate erforderlich werden. Aus Sicht vieler Marktteilnehmer ist dies jedoch praktisch kaum umsetzbars Das Umweltbundesamt hat dazu einen Vorschlag entwickelt, der sich derzeit in Abstimmung befindet.

„Gerade bei Vor-Ort-Produkten sehen wir aktuell den größten Klärungsbedarf. Wir brauchen Lösungen, die hohe Hygienestandards gewährleisten und gleichzeitig in der Praxis umsetzbar bleiben. Die baustellenseitig hergestellten Produkte bilden einen wertvollen Baustein zum Erhalt der Trinkwasserversorgung und dürfen nicht durch Überbürokratisierung verloren gehen“, betonte Leddig-Bahls. Ein Teilnehmer verwies dabei auf die Bedeutung praxisnaher Lösungen: „Die Industrie will die europäischen Anforderungen umsetzen. Dafür brauchen wir aber Verfahren, die nachvollziehbar, planbar und wirtschaftlich umsetzbar sind.“ 

BGT bringt Anliegen der Mitglieder nach Brüssel
Die Diskussionsergebnisse wird der BGT in die Gespräche mit der europäischen Allianz European Drinking Water (EDW) und weiteren Akteuren einbringen. „Wir möchten die Erfahrungen unserer Mitglieder direkt nach Brüssel tragen. Nur wenn die Praxis einbezogen wird, können tragfähige Lösungen entstehen“, sagte Leddig-Bahls abschließend. Im Mittelpunkt der Gespräche in Brüssel werden insbesondere die Herausforderungen bei Positivlisten, die langen Zulassungsprozesse, die Auswirkungen auf Innovationen sowie praktikable Lösungen für baustellenseitig hergestellte Produkte stehen. Ziel ist es, die Perspektive der grabenlosen Branche in die weiteren Abstimmungen einzubeziehen.

 

Foto: Adobe Stock

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